EPC

EPC statt HOAI: Wie Unternehmen heute wirtschaftlich bauen

Sind klassische Bauprojekte nach HOAI noch zeitgemäß? Oder bieten moderne EPC‑Modelle (Engineering, Procurement and Construction) deutliche Vorteile bei Kosten, Geschwindigkeit und Risikominimierung? Diese Frage betrifft heute nahezu jedes Unternehmen – besonders KMUs, die effizient und planbar investieren müssen.

Der folgende Beitrag zeigt die Unterschiede, bewertet die Modelle aus Sicht des Auftraggebers und gibt eine klare Orientierung für die Praxis.

Bauen nach HOAI: Individuell, aber risikobehaftet?

Beim klassischen HOAI‑Modell führt der Architekt durch den Planungsprozess. Er plant auf Basis der Vorgaben des Bauherrn und wird meist prozentual an der Bausumme vergütet. Das funktioniert gut, wenn die Grundlagen sauber vorbereitet sind.

Herausforderungen entstehen jedoch häufig durch:

  • späte Änderungen des Bauherrn
  • unklare oder unvollständige Anforderungen
  • fehlende Produktions- und Prozesssicht
  • hohe Anzahl an Einzelentscheidungen
  • viele separate Verträge und Schnittstellen

Die Folge: Kostensteigerungen, Verzögerungen und hoher Koordinationsaufwand. Für komplexe, individuelle Gebäude bleibt das HOAI‑Modell dennoch oft die beste Wahl, vorausgesetzt, der Auftraggeber bringt ausreichend Expertise und Ressourcen mit.

EPC Übersicht

Bauen mit EPC: Ein Vertrag, ein Verantwortlicher, ein Risiko

Beim EPC‑Modell übernimmt ein Generalunternehmer (GU) die Verantwortung für Planung, Beschaffung und Bau. Der Auftraggeber definiert seine Anforderungen, der EPC‑Partner liefert eine komplette Lösung, häufig zum Festpreis.

Vorteile:

  • deutlich geringerer interner Aufwand
  • ein Ansprechpartner, ein Vertrag
  • klare Kosten und Termine
  • geringes Risiko für Budget- und Zeitüberschreitungen
  • Nutzung von Standardmodulen und Einkaufsvorteilen großer EPC‑Anbieter

EPC eignet sich besonders für Industrie- und Gewerbebauten, die funktional, effizient und schnell realisiert werden sollen. Moderne EPC‑Partner bieten zudem zunehmend flexible Gestaltungsmöglichkeiten.

EPCM und Mischformen: Mehr Flexibilität, aber mehr Aufwand

EPCM‑Modelle (Engineering, Procurement and Construction Management) verbinden Beratung und Koordination durch einen EPCM‑Dienstleister mit der direkten Vergabe durch den Auftraggeber.

Das bedeutet:

  • hohe Flexibilität
  • aber auch hohes Termin- und Kostenrisiko beim Auftraggeber
  • viele Einzelverträge
  • hoher interner Koordinationsaufwand

EPCM lohnt sich vor allem für Unternehmen mit eigener Bau- oder Technikabteilung.

 

Vergleich: EPC vs. EPCM vs. HOAI

Risikoverteilung, Aufwand und Kostenkontrolle

Aspekt

EPC

EPCM

HOAI

Vertragsstruktur

Ein Gesamtvertrag

Viele Einzelverträge

Viele Einzelverträge

Kostenrisiko

Gering

Mittel

Hoch

Terminrisiko

Gering

Hoch

Hoch

Interner Aufwand

Sehr gering

Hoch

Sehr hoch

Flexibilität

Geringer

Hoch

Hoch

Gewährleistung

Ein Lieferant

Viele Lieferanten

Viele Lieferanten

Komplexität

Niedrig

Hoch

Hoch

Fazit: Welches Modell ist das richtige?

Für viele Unternehmen, insbesondere KMUs ist EPC die wirtschaftlichste und risikoärmste Lösung. Erst wenn eine eigene Bau- oder Planungsabteilung vorhanden ist, können EPCM oder klassische HOAI‑Projekte sinnvoll und effizient umgesetzt werden.

Der entscheidende Erfolgsfaktor bleibt jedoch immer derselbe: Ein sauber ausgearbeiteter, prozess- und produktionsorientierter Anforderungskatalog.

Er sollte klar unterscheiden zwischen:

  • Muss‑Anforderungen
  • Wunsch‑Anforderungen (mit Preisbereitschaft)
  • Nice‑to‑have‑Elementen

Je besser die Grundlagen, desto geringer die Risiken – unabhängig vom Vergabemodell.

Unternehmen profitieren zusätzlich, wenn sie einen erfahrenen Experten für Projektkonfiguration einbinden. Dieser erkennt Einsparpotenziale, bewertet Nebenaufwendungen und begleitet das Projekt ganzheitlich.

Ansgar Heege

Ansgar Heege

Autor

Seit mehr als 34 Jahren bin ich in allen Bereichen der Werksplanung, Produktion und Logistik zu Hause. Nach dem Studium in Darmstadt und dem Karriereeinstieg als Planungsingenieur in Logistik und Werkneubau, folgten mehrere Führungspositionen als Produktionsleiter und Director Operations bei Mittelständlern und internationalen Firmen. In diesen Rollen wurden verschiedenste Werke in Deutschland, Indien und weiteren Ländern geplant, realisiert, verändert und optimiert. Produktionen wurden erfolgreich verlagert.
Aus diesen Erfahrungen, verbunden mit den Werten der Exzellenz und Unabhängigkeit, unterstützt ZUKUNFT l WERK auch ihr Projekt.